Karrierethemen

Andreas Renner, HR-Experte, Foto: privat
Andreas Renner, HR-Experte, Foto: privat
Gegen Personalmangel

Andreas Renner gibt HR-Tipps in Krisenzeiten

Arbeitnehmermarkt trifft auf wirtschaftliche Unsicherheit. Rückblickend strichen Unternehmen in Krisenzeiten zumeist in Bereichen wie Marketing oder Human Resources (HR) Gelder. Ein Fehler, findet der Experte.

Branchenübergreifend herrscht hierzulande jedoch akute Personalnot. Andreas Renner, Personaldienstleister und HR-Experte betont: „Planungssicherheit, wenn es um Stellennachbesetzung geht, funktioniert schon länger nicht mehr.“

Will heißen: Wenn Mitarbeitende kündigen, dauert es in diesen Zeiten sehr viel länger als früher, die vakanten Stellen neu zu besetzen. Zudem hat die Corona-Pandemie bewirkt, dass fast die Hälfte der Beschäftigten Interesse an einem Arbeitgeberwechsel haben – wie die EY-Jobstudie 2022 belegt.

„Keinesfalls Recruiting- und Employer-Branding-Maßnahmen zurückfahren“, rät Renner. Wie lassen sich in solch einem Spannungsfeld die richtigen Entscheidungen treffen? Kurzfristige Maßnahmen funktionieren nur noch bedingt. Zudem nimmt die Loyalität zum Arbeitgeber weiterhin ab. „Andere Arbeitskräfte abwerben macht aber auch keinen Sinn, das ist ja nur eine Umverteilung am Markt.“ Vielmehr rät Andreas Renner, Founder und CEO von NOCARE mit Sitz in Rottenburg am Neckar, Unternehmen dazu, auch jetzt Personalaufbau langfristig zu denken und in den Aufbau von Fachkräften zu investieren. „Das kostet im ersten Schritt mehr, aber es wird sich auszahlen.“

Tipps, wie sich Arbeitgeber nachhaltig attraktiv positionieren können

  • Sinnvolle und individuelle Benefits

 „Die eigene Attraktivität kann an einem E-Scooter scheitern! Das darf eigentlich nicht wahr sein.“ Andreas Renner bezieht sich auf die Stellenausschreibung für eine Fachkraft, in der nicht stand, dass der E-Scooter als Benefit erst nach der Probezeit zur Verfügung steht. Grundsätzlich hält er Benefits für wertvoll, wenn sie Menschen bei ihren Bedürfnissen abholen. Je nach Alter und Lebenssituation haben Mitarbeitende ganz unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, was sie benötigen. So brauchen Familien beispielsweise viel Flexibilität, jüngere Menschen Vergünstigungen, Erlebnisse oder Sport, Fachkräfte aus dem Ausland  – vor allem in ländlichen Gegenden – den Zugang zu einer Community.

  • Die Arbeitsintensität anpassen

Das Coronavirus sorgt weiterhin dafür, dass die Krankenstände immer wieder extrem hochschnellen. Unternehmen müssten dauerhaft einkalkulieren, dass Krankenstände hoch sind – das passiert jedoch selten. Das sorgt für Überlastungssituationen in Teams, aber auch bei Führungskräften. Kurzfristige Überlastungen lassen sich durch eine bessere Mischung aus Präsenz und Homeoffice anpassen, indem beispielsweise Arbeitswege eingespart werden und mehr Homeoffice möglich ist.

  • Antizyklisch handeln

Kündigungen werden trotz einer drohenden Rezession nicht ausbleiben. Kosten einzusparen, indem Stellen nicht besetzt oder gestrichen werden, stehen laut Andreas Renner in keinem Verhältnis zu Kosten, die durch mögliche Schließungen von Abteilungen oder Unternehmen entstehen. Zudem droht treuen Mitarbeitenden sonst die Überforderung. „Das ist ein gefährliches Fahrwasser und die Kosten gehen dadurch auch hoch“, so Renner.

  • Kritisch und authentisch bleiben bei der Auswahl

Trotz Personalnot ist es kontraproduktiv, bei der Personalauswahl nicht kritisch zu bleiben. Wenn neue Mitarbeitende nicht passend qualifiziert sind oder mit falschen Versprechungen angelockt werden, kommt es wiederum zu zusätzlichen Belastungen für alle.

  • Höhere Budgets und mehr Zeit für Personalentwicklung einplanen

So weh es Unternehmern tun mag: Sie müssen mehr investieren als zuvor, um Menschen bei der Stange zu halten. Sei es über zusätzliche Qualifikationen oder Weiterentwicklungen, aber auch über einen verstärkten Fokus auf die Young Professionals. „Die jungen Menschen nachhaltig aufzubauen sehe ich als große Chance“, sagt Renner. „Doch es ist immer zuerst zeitintensiv.“ Und kann auch zu Spannungen im Unternehmen führen, wenn verschiedene Wertewelten aufeinanderprallen.

  • Systematisch Fachkräfte aus dem Ausland anwerben

Eine weitere wichtige Möglichkeit über den deutschen Markt hinaus ist gezieltes Recruiting im Ausland – auch außerhalb der europäischen Union. „Es ist gut sich auf Märkte mit Überfüllung zu konzentrieren“, so Renner. Will heißen: In Polen nach Pflegekräften zu suchen macht mittlerweile wenig Sinn, weil der dortige Markt sie selbst benötigt. In Brasilien hingegen haben sich für ihn derzeit Chancen ergeben als Recruiter. Aber es reicht nicht nur, jemanden loszuschicken für Recruiting. Unternehmen müssen für die Integration Menschen haben, die Strukturen und Prozesse für Fachkräfte aus dem Ausland aufsetzen. Das ist anfangs wiederum zeitintensiv, zahlt sich aber langfristig aus, wenn ausländische Fachkräfte sich von Anfang gut betreut fühlen – noch bevor sie in die neue Heimat kommen, dann herzlich aufgenommen werden, Kontakt- und Teambuilding-Maßnahmen vorfinden sowie über Feste oder Freizeitangebote integriert werden.

Über Andreas Renner

HR-Experte Andreas Renner, Jahrgang 1975, ist Gründer und CEO von NOCARE, Recruiting experts in Healthcare. Die Gesundheitsbranche leidet schon länger als andere Wirtschaftszweige unter akuter Personalnot. Seine Erfahrungen sind nun auch hilfreich für andere Branchen.

Alexandra Leibfried
Als Redaktionsleitung (V.i.S.d.P.) der Career Pioneer berichtet Alexandra Leibfried regelmäßig über HR-Management- und Karrierethemen. Ihre Artikel erscheinen in führenden Branchenzeitungen und -zeitschriften wie HORIZONT, ahgz und fvw I TravelTalk. Die Career Pioneer GmbH und Co. KG ist Spezialist für Stellenmärkte und Karriereformate innerhalb der dfv Mediengruppe.
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